Konsolidierung
Marktkommentar Michael Blumenroth – 27.03.2025
Wöchentlicher Marktbericht
Allmählich gewöhnt man sich daran, dass bei den Goldpreisen die erste Ziffer eine „3“ ist, sofern man den Preis in Unze je US-Dollar betrachtet. Zwar konnte er zuletzt sein am 20. März gehandeltes Rekordhoch bei 3.057,50 US$ je Unze nicht ganz verteidigen, bis auf einen extrem kurzen Rücksetzer am Freitag wurde die Marke von 3.000 US$ je Unze aber bis dato verteidigt.
Zuletzt wurden die Notierungen von zwei Käufergruppen gestützt: Erstmals seit sechs Wochen erhöhten spekulativ orientierte Anleger in der vergangenen Woche ihre Kaufpositionen an den US-Terminbörsen. Zudem fragten Anleger am Montag dieser Woche rund 750.000 Unzen im Gegenwert von rund 2,27 Milliarden US$ in Form von ETCs nach. Dies war die stärkste Tagesnachfrage seit dem 21. Januar 2022. Weltweit sind in ETC nun 87,8 Millionen Unzen investiert mit einer zuletzt stark steigenden Tendenz insbesondere aufgrund neuer Käufergruppen in Asien. Zudem profitierten auch die Goldpreise zuletzt von Vorziehkäufen aufgrund möglicher Importzölle der USA, so dass allerdings Preisrücksetzer möglich wären, sobald diese Lagerbestände abgebaut werden.
Trump-Zölle könnten Goldnachfrage weiter ankurbeln
Gleichzeitig dürfte Gold aufgrund des ihm zugesprochenen Status als „sicherer Hafen“ möglicherweise besonders Anfang April wieder gefragt sein. Ab 2. April sind schließlich von Seiten der US-Regierung sogenannte „reziproke Zölle“ angekündigt worden, wobei aktuell die Verunsicherung auch aufgrund stark divergierender Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump in den vergangenen Tagen eher noch stärker anwächst.
Starker Einbruch des US-Verbrauchervertrauens
Sichtbares Zeichen dafür ist die weitere Eintrübung der Stimmung der Verbraucher in den USA: Der Index des Verbrauchervertrauens des Conference Board fiel zum vierten Mal in Folge und auf das tiefste Niveau seit Januar 2021. Der Unterindex der zukünftigen Erwartungen stürzte kräftig auf 65,2 Punkte ab, so tief notierte er zuletzt im Jahr 2013. Die Inflationserwartungen auf Sicht von zwölf Monaten stiegen hingegen weiter an, diesmal um 0,4 Prozentpunkte auf beachtliche 6,2 Prozent. In einem Umfeld so großer Unsicherheit und mit aufkeimenden Inflationsängsten ist die Nachfrage nach Gold nur allzu verständlich.
Gold behauptet sich über der Marke von 3.000 US$ pro Unze
Am Donnerstagmorgen vergangener Woche notierte der Goldpreis nach seinem Rekordhoch noch bei 3.046 US$ pro Unze. Am Freitagnachmittag rutschte er in einer kurzen, starken Bewegung (Gewinnmitnahmen vor dem Wochenende?) marginal unter die Marke von 3.000, aber wirklich nur ganz kurz. Das edelste aller Metalle erholte sich schnell wieder und notierte gestern mit 3.036 US$ pro Unze auf dem bis dato höchsten Niveau dieser Woche. In den europäischen Handelstag startet Gold am heutigen Mittwochmorgen (aus Termingründen sind wir diesmal einen Tag früher dran) mit 3.024 US$ pro Unze.
Xetra-Gold über 90 € pro Gramm
Der Xetra-Gold-Preis profitierte von dem im Wochenvergleich etwas nachgebenden Kurs des Euros zum US-Dollar. Während der üblichen Handelszeiten stieg er von 89,90 € pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen noch gleichtägig bis auf 90,30. Am Freitag ging es aber auch hier spürbar abwärts, und zwar bis auf 89,10. Von hier aus führte eine Erholungsbewegung dann aber ebenfalls wieder aufwärts bis auf 90,25 gestern bzw. 90,15 € je Gramm, mit denen Xetra-Gold in den europäischen Handelstag starten dürfte, falls zur Handelseröffnung noch das Niveau von 7 Uhr aktuell ist.
Am Freitag dürften die Marktakteure gespannt auf die Veröffentlichung der PCE-Kernrate, des bevorzugten Inflationsmaßes der US-Notenbank Fed blicken. In der kommenden Woche schlägt dann die Stunde der Wahrheit, nämlich der US-Zölle.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein frühlingshaftes Wochenende und empfehle, das Umstellen der Uhr auf Sommerzeit nicht zu vergessen...